Hilde Freudenthaler Bodenheimer (1926 – 2015)

Bild vom sog. Judenpass

Hilde (Hindel) wurde am 21. Juni 1926 in Steinsfurt als Tochter des Kaufmanns  Ludwig Freudenthaler (1889 – 1928) aus Richen und seiner Ehefrau Hedwig geb Ottenheimer (1893 – (1945)) aus Heinsheim geboren. Das Paar hatte am 6. Januar 1920 in Heidelberg geheiratet. Sie hatten zwei Kinder, Anna (1925 – 2010) und Hilde.

Hildes Vater Ludwig (Levi) Freudenthaler wurde am 9. Januar 1889 in Ittlingen geboren. Er hatte am 1. Weltkrieg teilgenommen und ein Bein verloren. Er verstarb 1928 in Richen an den Folgen der Kriegsverletzung und wurde am 2. Geburtstag von Hilde beerdigt. Daher wird auf der  Gedenktafel in der Synagoge an ihn gedacht.

Ihre Mutter Hedwig (Hindel) geb Ottenheimer - wurde am 19. Februar 1893 in Heinsheim geboren. Nach dem Tod ihres Mannes zog sie mit den Kindern zu ihrem Vater Moses Ottenheimer nach Heinsheim. Von dort wurden sie, ihr Vater und Anne im Oktober 1940 nach Gurs deportiert. Ihr Vater starb dort 1942. Hedwig wurde im August 1942 ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort umgebracht. Anna konnte von Gurs entkommen. Sie lebte später mit ihrem Mann Léandre Weil, einem jüdischen Widerstandskämpfer, in Paris.

 

3. Reich

Hilde besuchte acht Jahre die Grundschule. Sie konnte dies jedoch nicht in Heinsheim abschließen, da der Besuch öffentlicher Schulen durch Juden verboten wurde. Als die badischen Juden im Oktober 1940 nach Gurs deportiert wurden, war Hilde in Stuttgart. Sie zog noch im Oktober nach Heilbronn. Im September 1941 zog sie nach Bonfeld, wo ihre Großtante Julchen Ottenheimer und ihr Vormund Julius Zion mit seiner Familie wohnten. Im Dezember 1941 wurde die Familie Zion ins „Ghetto” Riga deportiert. Weitere Verwandte kamen in andere Vernichtungslager. Sie wurden alle ermordet.

Hildes Großtante wurde Anfang 1942 in das sog. „Jüdische Altenheim” in Eschenau gebracht, eine Einrichtung des Nazi-Regimes. Hilde folgte ihr dorthin und wurde als Hilfskraft beschäftigt. Alle Einwohner des Heims wurden am 19. August 1942 zunächst in ein Sammellager auf dem Killesberg in Stuttgart gebracht. Am 22. August wurden insgesamt über 1000 Personen in den Transport XIII,1 ins „Ghetto” Theresienstadt verladen. Dort kamen sie am 23. August an. Julchen Ottenheimer starb am 4. Oktober 1942.

Hilde wurde 1944 ins KZ Auschwitz verbracht, da jetzt arbeitsfähige Juden für die Kriegsproduktion gebraucht wurden. Sie wurde in einem der Außenlager als Arbeitskraft bei Rodungsarbeiten eingesetzt. Bei der Evakuierung dieses Außenlagers kam sie zunächst nach ins KZ Groß-Rosen und von dort aus wohl auf einer Irrfahrt vorübergehend ins KZ Mauthausen und dann ins KZ Buchenwald. Sie wurde schließlich am 15. April 1945 aus dem KZ Bergen-Belsen befreit. Da sie an an Typhus erkrankt war, kam sie zunächst mit einem Krankentransport des schwedischen Roten Kreuzes über Malmö nach nach Schweden.

Schon 1946 konnte sie mit der Hilfe ihres Onkels Edward Ottenheimer in die USA auswandern. Hilde hat über ihre Leidenszeit kaum je gesprochen.

USA

Hilde 2013Hilde verdiente sich zunächst ihren Lebensunterhalt in New York als Modistin. 1947 lernte sie Fritz (Fred) Bodenheimer (1914 - 2000) kennen, den sie am 1. November 1947 heiratete. Fritz war am 4. April 1914 in Frankfurt/M geboren, seine Familie stammt aus Wiesloch. Er war schon 1937 geflohen.

Das Paar lebte in Baltimore und hatte zwei Kinder, Larry (* 1950) und Heidi (* 1956). Hilde war zunächst mit der Erziehung der Kinder und der Pflege der Schwiegereltern, die auch fliehen konnten, ausgelastet. Später wurde sie Verkäuferin in verschiedenen Boutiquen, zuletzt bei Saks Fifth Avenue. Sie war sehr erfolgreich und beliebt bei ihren Kundinnen. 1996 schied sie aus dem Berufsleben aus.

Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 2000 verschlechterte sich Hildes Gesundheitszustand rapide. 2011 musste sie in ein Heim ziehen. Hilde Bodenheimer starb am 1. August 2015 in Baltimore im Alter von 89 Jahren.

 

Quellen

Stadtarchiv Sinheim, Bestand „Steinsfurt”, \1

Nekrolog von Larry Bodenheimer

Synagoge Affaltrach, Ausstellung

Martin Ulmer, Martin Ritter, "Das jüdische Zwangsaltersheim Eschenau und seine Bewohner",

Riksarkivet Stockholm